Der Verein


"klein aber fein": Beschreibung des Arbeitsphilosophie des Vereins


 
Am Beginn der Vereinsaktivitäten in den Jahren 1982/1983 stand der Wille von engagierten Leibnitzern und Leibnitzerinnen, einer Partnerstadt in einer der ärmsten Regionen von Afrika zu helfen. Hilfe ist jedoch sehr vielschichtig. Die Palette reicht von Geld- über Sach- bis hin zu Knowhow-Transfers. Deshalb war es wichtig, die richtige Entwicklungsstrategie zu entwerfen. Diese wurde nach einer Erkundungsreise nach Pedra Badejo gefunden.

Als Vereinsmotto entwickelte sich der Leitspruch "Hilfe zur Selbsthilfe".

Das bedeutete den Aufbau einer Projektorganisation, wo die kapverdischen Partner, die gleichzeitig auch Betroffene waren in die unmittelbare Umsetzung eingebunden wurden. "Learning by doing" war eine sinnvolle Strategie, um Hilfe und Ausbildung miteinander zu verbinden. Als weitere Rahmenbedingung wurde die Überschaubarkeit der Vorhaben mit der Begrenzung der Projektgröße als wichtiges Kriterium für die Vereinsarbeit festgelegt. Als Ziel galt es, die Emigrationsraten begründet in der prekären Arbeitsmarktsituation zu senken. Ein Grundkonzept für die Partnerschaft wurde erstellt, wo am Beginn die Förderung des Kleingewerbes als Schwerpunkt fixiert wurde. Dieses Konzept war Grundlage für das erste Partnerschaftsabkommen mit Pedra Badejo.

Die ersten zehn Jahre der Projektabwicklungen waren geprägt von der permanenten Präsenz der österreichischen Experten in Pedra Badejo. Als Ansprechpartner arbeiteten diese als Projektmanager und Ausbildner in Personalunion. Gleichberechtigt wirkten Partner aus Pedra Badejo an der Projektumsetzung mit. Nach Projektende war der Verein stets bemüht diese Experten weiterhin für die Vereinsarbeit in einem Beirat zu binden. Aber auch tüchtige Projektmitarbeiter aus Pedra Badejo wurden in neue Projekte vor Ort eingebunden. Damit wurde eine starke Interessensplattform zwischen unseren Partnern in Pedra Badejo, den Entwicklungshilfeexperten und den Vereinsverantwortlichen in Leibnitz geschaffen.

Gegenseitige Besuche vertieften die Partnerschaft und die erfolgreiche Umsetzung der gemeinsamen Vorhaben. Die Übergabe von Projekten in die Eigenverantwortlichkeit der kapverdischen Counterparts führte in den frühen Neunzigerjahren zu einer Neugestaltung in der Projektnachbetreuung. Um die Nachhaltigkeit der Projekte zu gewährleisten, wurden Kurzeinsätze als Coachingmaßnahme installiert. Diese Vorgangsweise wurde vorerst auch von offiziellen Stellen sehr differenziert beurteilt. Doch schon nach kurzer Zeit widerlegten die ersten Evaluierungs-ergebnisse die Kritiker unserer Vorgangsweise. Unsere Partner schätzten und nutzten ihre "Freiheit mit Netz" gerade in den schwierigen Anfangsphasen ihrer Selbstständigkeit. Als Synergie stärkte diese Betreuungsart das Selbstwertgefühl und das Verantwortungsbewußtsein ungemein. Zukünftig trafen sich so gleichberechtigte Partner zum Gedankenaustausch.

Ein weiteres Kriterium für die Facharbeit des Vereines war die Festlegung, dass nur jene Projekte vom Verein umgesetzt werden, wo die fachliche Kompetenz im erweiterten Vereinsvorstand in Leibnitz gegeben ist. Dies führte nach dem Obmannwechsel 1994 zu einer neuen Schwerpunktsetzung der Entwicklungshilfeprojekte. Damals wurde der Bildungssektor als Leitprojekt für die Vereinsarbeit definiert. Diese nunmehr pädagogisch ausgerichtete Fachkompetenz bringt derzeit unserem Verein viel Anerkennung aus der Fachwelt der Entwicklungszusammenarbeit. Das Projekt "EBIS - Grundbildung Santiago" wird als Beispielprojekt für die Lehrerfortbildung in der Entwicklungs-zusammenarbeit gesehen. Bei der Konzeption dieses Projektes sind alle bisherigen Erfahrungen unserer Partnerschaft in die Programmgestaltung des EBIS-Projektes eingeflossen. Als neues Element einer modernen Wissensvermittlung war die Ausbildung von "Pädagogischen Multiplikatoren" ein wesentliches Projektziel. Der Projekterfolg bestätigt die gewählte Projektstrategie.

So sind im Laufe der Jahre durch gegenseitiges Lernen und Bemühen Mosaiksteine einer "Projektphilosophie" entstanden, die heute das Image unseres Vereines als professioneller und kompetenter Projektabwickler bilden und festigen.
Dieser Erfolg über nunmehr zwanzig Jahre "Städtefreundschaft Pedra Badejo - Leibnitz" war nur möglich, weil engagierte Vereinsmitglieder überschaubare Projekte mit der den Partnern eigenen Umsetzungsgeschwindigkeit zu einer nachhaltigen Entwicklung geführt haben.
"Klein aber fein" hat sich bewährt zum Wohle unserer Freunde in Pedra Badejo.

Verein Städtefreundschaft Pedra Badejo-Leibnitz